Kurz gesagt: Eine gute Weinprobe zu Hause braucht ein klares Thema, sechs bis acht Weine, gleiche Gläser und eine durchdachte Reihenfolge: trocken vor süß, leicht vor kräftig, Weiß vor Rot. Dazu Wasser, neutrales Brot und ein Spuckgefäß – dann steht dem Vergleichen nichts im Weg.
Warum eine Weinprobe mehr ist als ein Abend mit Wein
Der Unterschied zwischen „wir trinken ein paar Flaschen“ und einer Weinprobe ist der Vergleich. Wenn mehrere Weine nebeneinander im Glas stehen, fallen Unterschiede auf, die du bei einer einzelnen Flasche nie bemerken würdest: wie unterschiedlich Riesling von Mosel und Pfalz wirkt, was ein Jahr Flaschenreife ausmacht oder wie stark ein Holzfass einen Wein prägt.
Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut (DWI) und Bernhard Wolff, Leiter des BASF-Weinkellers in Ludwigshafen, haben in Interviews praktische Tipps dazu gegeben. Wir haben sie gesammelt und um das Handwerkszeug aus Wein verkosten wie ein Profi ergänzt.
Schritt 1: Ein Thema wählen
Ohne Thema wird jede Probe beliebig. Büscher empfiehlt, sich auf eine Rebsorte, eine Region oder die Weine eines Erzeugers aus mehreren Jahrgängen zu konzentrieren. Wolff nennt als Beispiele sechs Rieslinge aus demselben Jahrgang einer Region oder sechs Grauburgunder eines Winzers aus verschiedenen Jahrgängen.
| Thema | Was du lernst | Beispiel |
|---|---|---|
| Eine Rebsorte, mehrere Regionen | Einfluss von Klima und Herkunft | Sauvignon Blanc aus Loire, Steiermark und Neuseeland |
| Eine Region, mehrere Rebsorten | Sortencharakter | Pfälzer Riesling, Weißburgunder, Spätburgunder |
| Ein Weingut, mehrere Jahrgänge | Jahrgangseinfluss und Reife | Vertikale eines Rieslings |
| Gleicher Jahrgang, mehrere Erzeuger | Handschrift der Winzer | Grauburgunder aus Baden |
| Preisstufen eines Erzeugers | Was Qualitätsstufen ausmachen | Gutswein, Ortswein, Lagenwein |
Die Begriffe „vertikal“ und „horizontal“ erklären wir im Beitrag Vertikale und horizontale Weinprobe. Wer es einfach mag, greift zu fertigen Wein-Probierpaketen, die schon ein Thema mitbringen.
Schritt 2: Wie viele Weine – und welche Reihenfolge?
Büscher rät zu sechs bis acht Weinen; bei mehr verlieren ungeübte Verkoster schnell den Überblick. Wolff empfiehlt für den Anfang höchstens sechs. Die Reihenfolge folgt einer einfachen Logik: Was kräftig, süß oder gerbstoffreich ist, kommt später, damit es die feineren Weine nicht überdeckt. Die Regeln des DWI-Experten:
- Weiß vor Rot.
- Trocken vor süß: Ein edelsüßer Wein wie Eiswein kommt zum Schluss, sonst wirkt der folgende trockene Wein spitz und sauer.
- Leicht vor kräftig: Als grober Anhaltspunkt dient der Alkoholgehalt auf dem Etikett – ein Wein mit 11,5 % Vol. kommt vor einem mit 13 % Vol.
- Bei Rotweinen: fruchtige Weine vor gerbstoffreichen oder im Barrique ausgebauten.
- Bei Jahrgangsproben: mit dem jüngsten Wein beginnen.
So könnte eine gemischte Probe mit sechs Weinen aussehen, wenn du die Regeln anwendest: Zuerst ein trockener Schaumwein als Auftakt, dann ein leichter, junger Weißwein, danach ein kräftigerer, im Holz ausgebauter Weißwein. Es folgen ein fruchtiger, leichter Rotwein und ein gerbstoffreicher, kräftiger Rotwein. Den Abschluss bildet ein süßer Wein. So steigert sich die Intensität von Glas zu Glas, und kein Wein überdeckt den nächsten.
Ähnliche Prinzipien gelten übrigens auch beim Menü – mehr dazu in Reihenfolge der Weine beim Menü.
Schritt 3: Die Ausstattung
Du brauchst kein Profilabor, aber ein paar Dinge machen den Unterschied:
- Gleiche Gläser für alle Weine, bauchig und nach oben verjüngt. Büscher rät, sie vorher mit Wasser auszuspülen, um Schrankgeruch zu entfernen. Pro Person ein Glas reicht, wenn du zwischendurch ausgießt.
- Helles Licht und eine weiße Tischdecke oder weißes Papier, um Farbe und Klarheit zu beurteilen.
- Stilles oder leicht perlendes Wasser und etwas salzfreies Baguette zum Neutralisieren.
- Ein Gefäß für Reste und zum Ausspucken – ein undurchsichtiger Becher oder eine kleine Karaffe pro Tischseite.
- Korkenzieher, Zettel und Stift, eventuell ein ausgedrucktes Aromarad.
- Ein gut gelüfteter Raum ohne Duftkerzen und Parfum.
Ein Profi-Trick, den Wolff empfiehlt: Spüle das Glas vor jedem neuen Wein mit einem kleinen Schluck genau dieses Weins aus („avinieren“). So verfälschen Reste des vorherigen Weins den Eindruck nicht.
Schritt 4: Temperatur und Vorbereitung am Tag selbst
Die Temperatur entscheidet mit darüber, ob ein Wein sein Potenzial zeigt. Die Empfehlungen der beiden Experten:
| Weinart | Serviertemperatur | Vorbereitung |
|---|---|---|
| Schaumwein | 6–8 °C | rechtzeitig kühlen |
| Leichte, junge Weißweine | 9–11 °C (DWI) | am Vortag in den Kühlschrank, vor dem Ausschank kurz herausnehmen |
| Weiß- und Roséweine allgemein | 6–12 °C | wie oben |
| Rotwein | 16–18 °C | kurz vorher aus dem Keller holen und öffnen |
Büscher weist darauf hin, dass Rotwein ruhig etwas kühler eingeschenkt werden darf, weil er sich auf dem Tisch erwärmt. Öffne alle Flaschen rechtzeitig vorher und probiere jede kurz an – so bemerkst du einen Korkschmecker, bevor die Gäste es tun.
Schritt 5: Blind oder offen?
Offen probieren ist entspannter, blind probieren ehrlicher. Wer weiß, dass im Glas ein teurer Wein ist, findet ihn oft automatisch besser. Für eine Blindprobe empfiehlt Büscher, die Flaschen mit einer Hülle, Alufolie, einem Strumpf oder einer Socke zu verhüllen und zu nummerieren. Spielregeln und Varianten findest du in Blindverkostung: Spielregeln und Tipps.
Eine gute Mischform: erst blind verkosten und notieren, dann auflösen und über die Ergebnisse sprechen. Das sorgt garantiert für Gesprächsstoff.
Schritt 6: Der Ablauf am Abend
Ein bewährter Rhythmus für jeden Wein:
- Kleine Menge einschenken, damit Platz zum Schwenken bleibt.
- Erst still für sich anschauen, riechen, schmecken – nach Büscher gilt: erst probieren, dann reden. Sonst übernehmen alle den ersten Eindruck des lautesten Gastes.
- Notizen machen: Farbe, Aromen, Süße, Säure, Körper, Abgang. Das Aromarad hilft bei der Wortwahl.
- Dann austauschen. Wer eine Flasche mitgebracht hat, kann etwas über Weingut, Region oder Rebsorte erzählen.
- Wasser trinken, Brot essen, weiter zum nächsten Wein.
Wolffs Leitsatz passt perfekt zum Abend: Es gibt kein Richtig oder Falsch, nur „schmeckt mir“ oder „schmeckt mir nicht“ – am besten mit Begründung.
Für die Notizen genügt ein einfaches Raster, angelehnt an den Systematic Approach to Tasting der Weinschule WSET: Aussehen (Klarheit, Farbintensität, Farbe), Nase (sauber oder fehlerhaft, Intensität, Aromen), Gaumen (Süße, Säure, Tannin, Alkohol, Körper, Abgang) und Fazit (Qualität und Trinkreife). Druck dir für jeden Gast einen Bogen mit diesen Zeilen und nummerierten Spalten für die Weine aus – so bleibt die Runde fokussiert, und am Ende lassen sich die Eindrücke gut vergleichen. Am besten vergibst du zum Schluss noch eine persönliche Rangfolge: Welcher Wein war dein Favorit und warum?
Maß halten und typische Fehler
Eine Weinprobe ist zum Schmecken da, nicht zum Austrinken. Kleine Probiermengen, ausreichend Wasser und etwas zu essen gehören dazu, und niemand sollte sich verpflichtet fühlen, jedes Glas zu leeren. Ausspucken ist ausdrücklich erlaubt – warum Profis das immer tun, erklärt Spucken bei der Weinprobe. Übrig gebliebene Weine lassen sich gut verschlossen im Kühlschrank für die nächsten Tage aufheben.
Die häufigsten Fehler im Überblick:
- Zu viele Weine ohne roten Faden
- Unterschiedliche Gläser, die das Ergebnis verfälschen
- Süßer Wein vor trockenem
- Weine zu kalt oder zu warm
- Starke Snacks wie Chips mit Paprika oder Knoblauch während der Probe – herzhaftes Essen lieber danach
Wenn du nach der Probe noch tiefer einsteigen willst, ist Weinnotizen schreiben der nächste Schritt: So kannst du deine Eindrücke beim nächsten Mal vergleichen.
Passend dazu bei weinverbot.de
- Wein-Probierpakete – Fertige Themenproben
- Boxiland Weinprobe-Set – Probe für zu Hause
- Weingläser – Gleiche Gläser für alle
- Korkenzieher – Für reibungsloses Öffnen
Häufige Fragen
Wie viele Weine sollte eine Weinprobe zu Hause haben?
Sechs bis acht Weine sind ein guter Rahmen. Für Einsteiger empfehlen Experten eher höchstens sechs, damit die Unterschiede noch wahrnehmbar bleiben.
In welcher Reihenfolge probiert man die Weine?
Weiß vor Rot, trocken vor süß, leicht vor kräftig. Bei Rotweinen kommen fruchtige vor gerbstoffreichen, bei Jahrgangsproben der jüngste Wein zuerst.
Was isst man bei einer Weinprobe?
Während der Probe am besten nur neutrales, salzfreies Brot und Wasser. Herzhafte Speisen kannst du danach servieren.
Wie organisiere ich eine Blindprobe?
Verhülle die Flaschen mit Alufolie, Papiertüten oder Socken und nummeriere sie. Erst nach dem Notieren wird aufgelöst.
Quellen
- Mallorca Magazin: So gelingt die Weinprobe zu Hause (mit Ernst Büscher, DWI)
- RHEINPFALZ: So gelingt die perfekte Weinprobe zu Hause
- WSET Level 3 Award in Wines: Systematic Approach to Tasting Wine
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